Mein Auslandsjahr in Florida (USA)

Erfahrungsbericht von Noelia

Warum ein Schüleraustausch?

Nach 10 Jahren Schule, einem gemachten Realschulabschluss und der Aussicht auf noch weitere drei Jahre Schule, um mein Abitur zu absolvieren, hatte ich mir eine Auszeit verdient. Für mich war klar, diese Auszeit wollte ich im Ausland verbringen. Wie könnte man sonst ohne weiteres ein Jahr lang die schulische Laufbahn unterbrechen, ohne eine große Lücke im Lebenslauf zu hinterlassen? Da ich für Work und Travel oder ein Au-pair Jahr zu jung war, kam mit meinen 15 Jahren nur ein Schüleraustausch, also ein High-School Jahr, in Frage.

Austauschschüler in den USA

Warum ausgerechnet die USA?

Durch die typischen High-School Filme aus den USA wurde auch ich angefixt. Ich wollte wissen, was hinter diesen High-School Filmen steckt. Gibt es wirklich diese coolen Kids, die Football spielen und Cheerleadern? Ist die High-School wirklich so ein toller Ort, wo alle singen und tanzen? Natürlich interessierte ich mich nicht nur für die High-School, sondern auch für das Leben eines Amerikaners, obwohl ich mir zu diesem Zeitpunkt recht wenig darunter vorstellen konnte.

Planen, Vorbereiten, Buchen

Ein Austauschjahr bedarf viel Planung und Vorbereitung. Als ich anfangs die Idee hatte, ein Austauschjahr zu machen, hatte ich noch keine Vorstellung davon, wie viel Arbeit dahintersteckt. Angefangen bei der Überredungskunst, die ich benötigte, um meine Eltern und Großeltern zu überzeugen, darüber die perfekte Organisation für mich zu finden und ein Visum zu beantragen, bis hin zum Koffer packen für ein Jahr und Flug buchen. Alleine diese Vorbereitungszeit kostete mich - und auch meine Familie - viele Nerven und Tränen. Jedoch stiegen meine Vorfreunde und Aufregung mit jedem Schritt, den ich meinem kleinen Traum näherkam. Im Fazit also viel Arbeit, die sich am Ende aber auszahlt!

Meine Organisation

Bevor überhaupt irgendetwas geschehen konnte, musste ich mir Hilfe suchen. Jemanden, der Ahnung hat und mich auf meinem Weg ins Ausland unter die Fittiche nahm. Ich besuchte viele Veranstaltungen, wo sich viele verschiedene Organisationen vorstellten und sich anboten. Diese Veranstaltungen besuchte ich mit meiner Mutter, die mir schnell verdeutlichte, dass die hohen Preise, welche die Organisationen anführten, zum Problem werden könnten. Also hörte ich mich um, wie ich meinen kleinen Traum trotzdem verwirklichen könnte. So erfuhr ich von Rotary. Rotary ist ein Verein, der unter anderem Jugendlichen mit Hilfe eines Stipendiums den Traum des Austauschjahres ermöglicht. Rotary gab mir einen Ansprechpartner direkt vor Ort und einen Ansprechpartner in den USA. Diese beiden Herren unterstützten mich von da an bei jeder kleinen Vorbereitung, die ich zu treffen hatte, um meinen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen.

Es geht los!

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, d.h. ich ein gültiges Visum hatte, eine ausgefüllte Bewerbung, um mich meiner zukünftigen Gastfamilie vorzustellen, eine Auslandsversicherung, alle Pflichtimpfungen und vieles mehr, ging es los. Das erste Zeichen, welches mir verdeutlichte, dass mein Traum langsam real wurde, war die erste E-Mail meiner zukünftigen Gastfamilie. Meine Gastmutter zeigte mir mein zukünftiges Zimmer, die Haustiere und Familienmitglieder. Nachdem ich nun wusste, wohin meine Reise ging und zwar nach Parkland/Florida, konnte ich endlich meinen Flug buchen. Im August war es dann soweit, ich stieg in den Flieger und verlies Freunde und Familie mit einem guten, aber auch ängstlichen Gefühl. Mit 16, alleine einen anderen Kontinent bereisen und das auch noch für zehn Monate. Nicht nur ich war aufgeregt, auch meine Familie und Gastfamilie waren gespannt, was ich in den nächsten zehn Monaten erleben würde und welche Entwicklung ich machen würde. Meine Anreise war lang und aufregend, von Düsseldorf nach Chicago und dann von Chicago nach Fort Lauderdale. In Fort Lauderdale wurde ich herzlich von meiner Gastfamilie und anderen Rotary Mitgliedern empfangen. Nach der fast 22 Stunden langen Anreise und Zeitumstellung war ich froh, als ich endlich in meinem neuen Zuhause ankam und schlafen konnte.

Ein High-School Tag in den USA

Der erste Tag

Ca. eine Woche nach meiner Anreise begann die High-School. Meine High-School war eine Schule mit knapp 1800 Schülern und somit entsprechender Größe. Mein erster Tag hatte wenig mit Tanzen und Singen zu tun, sondern viel mehr mit mich Zurechtfinden und Orientieren. Jeden Tag hatte ich sieben Stunden, die sich jeden Tag wiederholten.

  • PE (Sport)
    • Math
    • Spanish
    • US history
    • Lunch (Mittagspause)
    • Environment sciences (Umweltwissenschaften)
    • PE
    • English

Mein Schultag begann um 7:40 Uhr und endete um 14:10 Uhr. Meine erste Freundin auf meiner Schule hatte ich schon einige Tage vorher kennengelernt, da ich das Glück hatte, dass eine andere Austauschülerin aus Brasilien, die auch mit meiner Organisation ihren Austausch machte, ebenfalls auf meine Schule ging. Nach ein paar Tagen fanden sich auch noch andere Leute, mit denen ich mein Lunch genießen konnte.

Unterschiede zur deutschen Schule

Dass ich von nun an das restliche Schuljahr denselben Stundenplan hatte, war nicht der einzige Unterschied zu dem Schulsystem, welches ich kannte. Ein Unterschied, der mir direkt auffiel war, dass nicht die Lehrer den Klassenraum wechseln und die Schüler einen festen Klassenbestand hatten, sondern die Schüler nach jeder Schulstunde, die immer 50 Minuten dauerte, von Klasse zu Klasse gingen. Es gab also keinen festen Klassenverbund. Außerdem war ich überwältigt von den hohen Sicherheitsmaßnahmen, die es an meiner Schule gab. Anders als in Deutschland, darf man ohne selbst Schüler an der Schule zu sein, die Schule ohne Anmeldung nicht betreten. Auch wurden die Schultore nach Unterrichtsbeginn geschlossen, ich konnte nicht ohne weiteres das Schulgelände verlassen, um mir zum Beispiel, wie ich es in Deutschland oft tat, ein Brötchen beim Bäcker zu besorgen oder eine Freistunde in der Stadt zu verbringen. Es gab vermehrtes Sicherheitspersonal, welches durch die Flure ging, um, sobald jemand sich nicht vernünftig verhielt, ihn oder sie in die Schranken zu weisen. Auch der Unterricht war anders als in Deutschland. Die Lehrer gehen mit einem verschiedene Kapitel zu verschiedenen Themen durch. Diese Kapitel sollte man für den Test am besten auswendig lernen, denn nach dem alle Kapitel zu einem bestimmten Thema vollständig besprochen waren, gab es einen abschließenden Multiple Choice Test zu dem jeweiligen Kapitel. Da das Schuljahr in Amerika mir in Deutschland nicht anerkannt wurde, hatten diese Tests für mich viel mit Raten und Glück zu tun.

Meine Freizeit in Amerika

Abgesehen von Clubs, die man nach dem Unterricht in der Schule besuchen konnte, gab es auch andere Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten. Ich besuchte einmal in der Woche den Rotexclub, der von meiner Organisation Rotary in der Schule veranstaltet wurde. Dort fand ich auch viele neue Freunde, mit denen ich mich auch außerhalb der Schule traf. Auch spielte ich für meine Stadt im Fußballteam. Trotz der vielen Möglichkeiten, die ich hatte, um meine Freizeit gestalten zu können, fühlte ich mich sehr eingeschränkt. Da alles in meiner Stadt so groß und weit voneinander entfernt war, war es schwer für mich, etwas zu unternehmen, ohne von meinen Gasteltern gefahren werden zu müssen. Ich konnte mich nicht spontan mit meinen Freunden treffen, um zum Beispiel das Kino zu besuchen oder in die Mall zu gehen.

 

Mein großes Glück war, dass Rotary für alle Austauschschüler in Florida Reisen nach Disney World, zum Kennedy Space Center, University, Sea Camp in Key West und einen Trip auf die Bahamas sponserte. Also egal wo in Florida, ich war dort. Meine Gastfamilie nahm mich öfters für mehrere Tage aus der Schule, um mir Florida zu zeigen. Ich durfte ein Football Spiel von den Gators besuchen, ein Baseballspiel, ein Hockeyspiel, ein Fußballspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen die amerikanische Frauen-Nationalmannschaft und vieles, vieles mehr. Für all diese Unternehmungen, die meine Gastfamilie mit mir gemacht haben, bin ich extrem dankbar und weiß es sehr zu schätzen.

Die Feiertage

Viele Feiertage oder Ferien hatte ich in Amerika nicht. Für mich neue Feiertage waren die Tage, an denen man Thanksgiving feierte. Thanksgiving kann man sich so wie Weihnachten in Deutschland vorstellen. Die ganze Familie kommt zusammen und es wird gemeinsam gekocht und gegessen. Es ist wie Weihnachten nur ohne Geschenke. Weihnachten allerdings, feierten wir nicht nur mit der Familie, so wie es in Deutschland eigentlich üblich ist. Am 24. kamen Freunde, Bekannte und Familie mit denen wir zu Abend aßen. Am 25. morgens öffneten wir innerhalb der Familie die Geschenke und verbrachten den Tag zusammen. Silvester wurde leider ohne Feuerwerk vor dem Fernseher, jedoch mit leckerem Essen, verbracht.

Kulturschock?

Sachen, an die ich mich nur schwer gewöhnen konnte, waren meine eingeschränkte Selbstständigkeit, außerdem war alles sehr groß und lag weit auseinander. Es gab keinen wirklichen Stadtkern, wo es wie in Deutschland eine Kirche gab und darum herum kleine oder größere Geschäfte. Für mich sehr ungewohnt und befremdlich. Eine Sache, die für mich nur Anfangs verwirrend war, waren zum Beispiel die anderen Essenszeiten. Um 11 Uhr war es dort schon fast Zeit für das Mittagessen, in Deutschland habe ich um diese Uhrzeit gefrühstückt. Auch konnte ich mich nie an den Gedanken gewöhnen, dass es in Amerika keine typischen Bäckereien oder Eisdielen gibt.

Fazit

Im Großen und Ganzen haben sich meine Vorstellungen und Erwartungen, wie ich sie mir erträumt habe, nicht erfüllt. Es gab Dinge, die über meine Erwartungen geschossen sind, aber auch Dinge, die meine Erwartungen ganz klar untertroffen haben. Ich hatte eine ganz klare andere Vorstellung, nicht von meinem Austauschjahr, aber von Amerika an sich. Ich durfte viele neue Erfahrungen sammeln und habe viel dazu gelernt. Das Jahr im Ausland hat mich, langfristiger gesehen, als Mensch sehr positiv beeinflusst und verändert. Ich bin durch meinen Auslandsaufenthalt unabhängiger und eigenständiger geworden. Ich weiß jetzt, wie ich mein Ding durchziehen kann und das auch ohne fremde Hilfe.

Tipps

Erwarte nicht zu viel, weil nur dann ALLE deine Erwartungen übertroffen werden können.

Auslandsjahr-Programme für die USA:

Das High School Programm für die USA bietet dir die Chance, Amerika genau zu erkunden.Beim High School Year-Programm in den USA hast du die Möglichkeit, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten genauer kennen zu lernen. Du wirst auf eine neue Kultur, Familie, Freunde, Schule und Hobbys treffen.

Schüleraustausch & High School in den USAErlebe ein Auslandsjahr in den USA! Das Programmangebot ist sehr groß, die Schüleraustausch-Ziele reichen von Großstädten wie Phoenix bis hin zu Kleinstädten in Kansas.

Austauschjahr in den USA - High School Year USADas Besondere an diesem Austauschjahr-Programm für die USA ist, dass du selbst wählen kannst, in welchem US-Bundesstaat du leben und lernen möchtest. Im Sonnenstaat Kalifornien zur Schule gehen? Oder...

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