Je nachdem, wohin genau du deinen Austausch planst, kann die Religion der Gastfamilie möglicherweise auch ein Thema werden. Aber hoffentlich kein Problem! Falls du dir Sorgen machst, etwa weil du besonders religiös bist und die Gastfamilie vielleicht nicht – oder aber umgekehrt – solltest du dir vor Augen halten, dass genau dafür ein Austausch gut ist: Er dient nämlich unter anderem dazu, andere Kulturen und natürlich auch Religionen kennenzulernen sowie Toleranz dafür zu entwickeln.

Austausch bedeutet Offenheit für Kultur und Religion

Wenn du dich auf einen Austausch einlässt, sollte gelebte Toleranz ganz oben auf deiner Liste stehen! Das gilt natürlich für die Gastfamilie im gleichen Maße. Wer einen Gastschüler bei sich aufnimmt, hat in der Regel eine so große Toleranz, dass etwaige religiöse Unterschiede kein größeres Problem darstellen sollten. Vermutlich wird also die Gastfamilie nicht wirklich von dir erwarten, dass du sie zu diversen Kirchgängen begleitest. Sicher sein kannst du dir darüber im Voraus aber nicht. Vielleicht hast du ja Lust, dennoch einmal mit von der Partie zu sein, schließlich zeigst du damit Interesse an deren Kultur und Religion. Vermutlich hast du ohnehin so schnell nicht wieder die Gelegenheit, an dieser vielleicht etwas anderen Art von Gottesdienst teilzuhaben – auch wenn sie gar nicht deiner gelebten Religion und deinem Glauben entspricht.

Leben und leben lassen – das gilt auch für die Religion!

Falls die Familie aber wider Erwarten von dir verlangt, dass du sie beim Kirchgang regelmäßig begleitest, dir das aber alles zu viel ist oder du dies nicht mit deinem eigenen Glauben vereinbaren kannst, solltest du mutig sein und Tacheles reden – auch wenn das wahrscheinlich erst mal schwer fallen mag. Kirche und Glauben sind sehr persönliche Dinge! Keiner kann und sollte dem anderen seinen Glauben aufzwingen. Gerade hier ist es erforderlich, den goldenen Mittelweg zu wählen: Zeige Interesse an der Religion der Familie, versuche, soweit es geht, daran teilzuhaben aber sage es, wenn für dich persönlich eine Grenze erreicht ist. Bitte um Verständnis und Toleranz, wenn du das ein oder andere kirchliche Event dann doch lieber nicht besuchen möchtest. Sei offen für Neues und Fremdes – wenn du z.B. im Urlaub einen Tempel besucht, heißt das ja noch lange nicht, dass du deswegen gleich zum Buddhismus konvertierst.

Beim Thema Religion zeigt sich wieder die bei einem Schüleraustausch so zwingend erforderliche Toleranz: jeder sollte den anderen Part möglichst so akzeptieren, wie er ist, egal ob gläubig oder nicht und egal, welcher Religion auch immer er angehört.

Kann ich meinem Glauben gerecht werden?

Umgekehrt wäre der Fall, dass du selbst sehr religiös bist und dich vielleicht sorgst, ob du deine Religion während des Austauschjahrs auch wirklich so ausleben kannst wie gewohnt und gewünscht. Das hängt natürlich ganz stark davon ab, welcher Religion du angehörst und welches Land du bereist. Versuche im Zweifelsfall schon vorher herauszufinden, welche Möglichkeiten es für dich gibt, welcher Religion die Gastfamilie angehört und wo es eventuell Differenzen geben könnte.

Austausch trotz unterschiedlicher Religionen?

Sollte jedoch der Austausch an eventuellen religiösen Differenzen scheitern, wäre das sehr schade! Auch wenn du vielleicht während des Austauschs einmal über einen längeren Zeitraum nicht in die Kirche gehen kannst – gläubig wirst du deswegen natürlich dennoch bleiben. Religion bedeutet, einem Glauben anzugehören, und das kann man zweifelsohne auch mal eine Zeitlang ohne am Gottesdienst teilzuhaben. Religiös ist man im Herzen und nicht, weil man eine Institution besucht!

Nutze also die Chance – egal, ob die Familie nun demselben Glauben angehört wie du oder nicht. Wahrscheinlich ist es sogar deutlich viel interessanter, wenn sie dies nicht tut. Wie gesagt: ein Austausch erweitert den Horizont – auch den religiösen!

>> Hier findest du Infos zum Thema „Kirche & Religion in den USA“.
>> Hier kannst du dich über die verschiedenen Religionen der Welt informieren.